[Lpi-de] Desktop Zertifizierung

Johannes Loxen jl at sernet.de
Mon Oct 11 10:46:12 EDT 2004


Die exemplarischen Linux-Desktop-Implementationen im Feld sind solche
wie bei der Monopolkommission des Bundestages. 

So sehr KDE und Gnome sich im Feld Konkurrenz machen mögen: In größeren
Umgebungen steht man dann auf einmal mit einem getunten IceWM und Gnome-
Icons da, hat ein ausgefeiltes Rechteschema und muß sich auch nicht damit
herumschlagen, wie man unter KDE welche Anwendung in welchen Workspace
abgelegt bekommt (Kommt mir jetzt nicht mit kstart! :-) oder wie man dem
Bildschirmschoner schnell mal ein paar Kommandos mit auf den Weg gibt.

Wenn jemand Linux auf dem Desktop ernsthaft plant, will er vielleicht weg 
von Windows als Desktop. Ich arbeite hier auch unter KDE aber als
Produktiv-Plattform für größere Umgebungen ist es nicht meine Wahl, da viel
zu groß, zu komplex und zu träge. (Ich warte auf den Tag, da jemand
verlangt, Konqueror und KDE zu entbündeln und jemand dann zu Recht sagt,
dass das nicht geht, ohne KDE zu schroten :-)

Die weiter unten angesetzten Fragen nach der richtigen Bedienung von
Software sind Fragen der richtigen Auslastung von Ressourcen. Das kann man
auch in einem Windows- oder MacOS-X-Kurs bringen und entspricht einem
Computer-Führerschein.

Dann wäre noch die Frage, über welches Protokoll der Linux-Desktop denn
bitte schön mit dem Server sprechen soll (NFS? SMB? AFS?) aber diese Büchse
lassen wir hier lieber ganz zu.

Zum Punkt: Nicht jeder Kurs, den man geben kann, muß mit einem
LPI-Zertifikat gekrönt werden. Dem Personaler, dem ein LPIC2 bei seinem
Admin einem Menge wert ist, sollte ein Linux-Anwender-Kurs-Nachweis für 
seine "normalen" Mitarbeiter reichen.

Es wäre kontraproduktiv, nach der Aufteilung in Debian und Rest der Welt bei
den Paketen nun auch noch eine Zertifikats-Diversifizierung in
KDE/Gnome/IceWM/WorksformeWM zu bauen.

Viel interessanter wäre es, sich den Aufbau einer zukünftigen
Novell-Zertifikats-Landschaft anzusehen und dann zu überlegen, wie sich LPI
demnächst "zwischen" Novell und Red Hat positionieren will. Das sind m.E.
existenziellere Fragen ...

Viele Grüße - Johannes Loxen
-- 
Dr. Johannes Loxen, SerNet Service Network GmbH
phone: +49-551-370000-0,  fax: +49-551-370000-9

On Mon, Oct 11, 2004 at 04:01:12PM +0200, Guido Brombach wrote:
> Wenn ich die Diskussion richtig deute, dann wird als LPI Zertifizierung 
> eine Desktop-Variante erwogen. Viel eher als im Admin-Bereich, wo auf 
> Shell-Ebene ein viel größerer gemeinsamer Nenner besteht ist der Desktop 
> Bereich anwendungsspezifisch ausgestaltet. Will heißen, unterschiedliche 
> Anwender haben einen unterschiedlichen Blick auf das System. Steht für 
> die einen der professionelle Gebrauch von Büroanwendungen im Vordergrund 
> ist es für die anderen die Finanzbuchhaltung oder vielleicht die 
> Lagerverwaltung. Letztendlich muss sich also eine Desktop-Zertifizierung 
> an einem Produkt orientieren. Produkt heißt in diesem Fall für mich auch 
> erstmal kde oder gnome u.a.. Denn das sind die Desktops für Linux. 
> Dahinter liegen Anwenderprogramme, die zwar auch mit einer graphischen 
> Oberfläche verbunden sind, aber erst in zweiter Reihe stehen. Ein 
> entsprechendes Zertifikat sollte dann auch OOo entwickeln. Das ist auch 
> weniger Linux-spezifisch. Man muss besonderes Augenmerk auf das L von 
> LPI lenken. Auf der anderen Seite muss man aber auch ausblenden, dass es 
> MS gibt, denn das spielt in der Regel für Firmen, die umsteigen keine 
> Rolle mehr.
> 
> Ich halte es aber auch für wichtig, dass eine solche Linux 
> Zertifizierung gerade die Unterschied zu MS verdeutlicht, um durch die 
> Definition des Unterschieds die beiden Systeme voneinander unterscheiden 
> zu können. Denn häufig sind, den ersten Linux-Erfahrungen einschlägige 
> MS-Erfahrungen vorangegangen, wodurch sich auch bestimmte Gewohnheiten 
> eingeschleift haben. Will man mit diesem brechen, müssen die Unterschied 
> zwischen beiden Systemen klar sein. D.h.
> 
> Das Dateisystem wäre vollkommen unabhängig von der graphischen 
> Oberfläche meiner Meinung nach ein originäres LPI Desktop 
> Zertifizierungs Gegenstand. Da er weitesmöglichst produktunabhängig ist, 
> weil er für das zurechtfinden im Dateibaum grundlegend ist, weil es 
> deutliche Unterschiede zum MS-System gibt.
> 
> Rechtvergabe ist ein weiteres "must have" für einen Linux-Desktop 
> Zertifizierungsinhalt, da sich daruas ganz grundlegende Gesetze und 
> Möglichkeiten der Zusammenarbeit in Netzwerken ergeben, die in der Regel 
> anders organisiert sind, als bei MS.
> 
> Weiteres siehe unten...
> 
> Torsten Scheck schrieb:
> >Ich meinte speziell das Grundlagenwissen für einen Endanwender. Nicht 
> >Grundlagenwissen im Allgemeinen. Siehe unten.
> >
> >>Und worin sollte die bitte bestehen, wenn nicht aus der 
> >>»Maushandhabung« und auch nicht aus dem Herumreiten auf irrelevanten 
> >>Implementierungsdetails? Was *sind* die »Grundlagen« von Linux, so wie 
> >>sie für einen Nur-KDE-und-Office-Anwender von Bedeutung sind?
> >
> >
> >Wenn man sich die häufigen Probleme von Endanwendern anschaut, dann 
> >kommt man auf eine Menge Grundlagen-Wissenslücken bzw. Lernpotenzial:
> >
> >Wo sind meine erstellten Dateien?
> >
> >Wieso ist mein Rechner so langsam, wenn ich ein DIN A4-Foto mit der 
> >beworbenen maximalen Auflösung scannen und bearbeiten möchte?
> >
> >Welche Programme sind installiert? Wie installiere ich weitere?
> OK, aber auch hier muss ein System definiert werden. Gerade die 
> Installationsroutinen unterscheiden sich immens
> 
> Dazu gehört auch Nutzung der Shell im Desktop-Bereich
> 
> >
> >Weshalb läuft mein "Data Beckers Weihnachtsdruckerei" nicht unter Linux?
> OK
> >
> >Ich habe die Hardware x und sie funktioniert nicht unter Linux.
> >(Hier sollte der Endanwender nicht lernen, wie er die Hardware 
> >installiert, sondern warum ein Treiber nicht existiert und dass es unter 
> >Umständen sogar empfehlenswert ist, bei vorhandener Hardware das 
> >mitgelieferte Betriebssystem zur Hardware Abstraktion zu benutzen, aber 
> >nur Freie Software darauf einzusetzen.)
> OK
> >Und gerade im Bereich Textverarbeitung sollte das Wissen weg vom 
> >Schreibmaschinen schreiben, hin zum strukturierten Erstellen gehen: 
> >Format- und Bereichsvorlagen definieren und anwenden. Es muss klar sein, 
> >dass für Geburtstagseinladungen andere Anforderungen und damit 
> >Spezialprogramme oder eine andere Herangehensweise nötig sind.
> Einverstanden.
> >
> >Der Unterschied zwischen einem Texteditor und einer Textverarbeitung 
> >sollte klar sein.
> Einverstanden
> >
> >Auch Dateiformate, die Rolle von freien Standards und Langlebigkeit von 
> >Daten sollte miteinbezogen werden.
> Gut, aber dann handelt es sich weniger um ein anwenderbezogenes 
> Zertifikat, sondern eher um ein FSF-Zertifikat. Die Vor- und Nachteile 
> von Open Source stehen meiner Meinung nach nicht im Vordergrund, sondern 
> die Ausgewiesene Fähigkeit, das System (GNU/Linux + kde oder gnome oder 
> andere) bedienen zu können.
> 
> >
> >Insgesamt ist die Wahl des richtigen Werkzeugs bzw. Dateiformats zu 
> >vermitteln. Da gibt es unzählige Negativ-Beispiele:
> >* Listen mit 20 Punkten als Tabellenkalkulationsdatei
> >* das Versenden als E-Mail-Anhang einer Powerpoint-Datei bestehend
> >  aus einer JPG-Datei und einem erklärenden Satz
> >* Archivieren von wichtigen Quelldaten in verlustbehafteten Formaten
> Das wird auch im Open Source Bereich schwer möglich sein, weil die 
> Bandbreite der als Werkzeug zur Verfügung stehenden Möglichkeiten 
> deutlich größer ist als im proprietären Bereich.
> >
> >
> >Es sollte also Wissen vermittelt werden, um Anwender mit Freier Software 
> > souverän ihre Arbeit erledigen zu lassen. Möglichst sogar effizienter 
> >und überlegter als ECDL-Ansolventen mit MS Windows.
> >Wäre eine Desktop-Zertifizierung in meinem Sinne überhaupt durchführbar?
> Ich denke nicht, eine Zertifizierung müßte konkreter sein, wenn es sich 
> auf Einzelpersonen beziehen soll. Wenn man es auf Firmen beziehen will, 
> kann man auch Prozess-Zertifizierung betreiben, so wie sie die ISO 9001 
> vorschlägt, dass macht aber meiner Meinung nach keinen Sinn.
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